Shiffrin vs Djokovic

Auftritt zweier Idole

Do., 02.07.2020 - 11:27 By Christoph Salm

Die amerikanische Skirennfahrerin Mikaela Shiffrin ruft in einem Facebook-Post dazu auf,  Hygienemasken zu tragen. Sie mache das für ihre Mutter, ihren Bruder und für all diejenigen, die einer Risikogruppe angehören oder für diejenigen, die dies gar nicht wissen. Sie mache das auch für die Pflegenden, die Ärzte, die Spitäler, das Gesundheitswesen. Dieser Aufruf ist ihr persönlicher Beitrag zur Eindämmung der Pandemie, zur Linderung von menschlichem Leiden  und wirtschaftlichem Schaden. Der serbische Tenniscrack Novak Djokovic organisierte die Adria-Tour, ein Tournier für Topspieler, die sich während dem Corona- bedingten Stillstand  der World-Tour verständlicherweise nach Wettkämpfen sehnen. Ausserdem sollten mit dem geplanten Sportanlass Gelder für gemeinnützige Projekte generiert werden. Die Freude am Wiedersehen liess die Tennishelden die vorgeschriebenen Hygiene- und Sicherheitsmassnahmen vergessen. Unbekümmert wurden gemäss Presseberichten nicht nur Matches gespielt, sondern auch Partys gefeiert.  Nach einem ersten positiven Corona-Test bei Gregor Dimitrov kam’s zum Grounding und zum Kater post festum.  Die Tour musste abgebrochen werden, mehrere Teilnehmer, so  auch Djokovic und Begleitpersonal wurden ebenfalls  positiv auf Corona getestet. Die Missachtung der geltenden Corona-Regeln führten zur einem weiteren Infektionsherd. Der Ärger über das unverständliche Verhalten der Tennisszene ist gross und  es  kam in der Folge zu heftigen, unschönen Verbalattacken gegen den serbischen Superstar.

Zwei verschiedene Gesichter aus der Welt des Sports. Hier die exzellente Skikönigin, die sich Gedanken zur aktuellen Lage macht, dort der erfolgsverwöhnte und extravagante Tennisstar, der Party macht. Hier Empathie, Verantwortungsgefühl, Vernunft,  Intelligenz.  Dort Sorglosigkeit aber auch Egoismus, Fahrlässigkeit und Hochmut. Die Ikonen des Sports sind weg- und trendweisende Persönlichkeiten, meistens  auch vergoldete Werbeträger.  International beachtet und versehen mit vielen Privilegien leben sie in ihrer eigenen, meist luxuriösen Welt. Unsere Bewunderung und Zuneigung machen sie zu dem, was sie sind. Von ihnen können wir erwarten, dass sie sich ihrer medialen Wirkung bewusst sind und dass sie mit ihrem Verhalten eine gewisse Vorbildfunktion übernehmen. Es ist nicht das Ziel meiner Zeilen, Djokovic auch noch Shit nachzuwerfen. Die organisatorischen Fehler,  das Verhalten vieler Tour-Teilnehmenden und die uneinsichtige Kommunikation nach Bekanntwerden der Infektionen sind aber in der heutigen Lage unentschuldbar.

Wie erfreulich ist dagegen der FB-Post von Mikaela Shiffrin. Mit ihrer Frage „Who do you wear your mask for?“ fordert sie ihre Folllowers  zum Mitmachen und Mitdenken auf. Ob jung oder alt, gesund oder krank, es betrifft uns alle. Mask könnte man auch mit dem Begriff behaviour (Verhalten) ersetzen. Also ein Aufruf zu Solidarität, zu Empathie und letztlich auch zu Vernunft. Die Bereitschaft, das Ego etwas zurückzunehmen und vorübergehend mit einigen Einschränkungen zu leben, ist dringend notwendig. Die Pandemie ist leider noch nicht vorbei. Wir  alle, ob vulnerabel oder vermeintlich unzerstörbar, müssen die propagierten Spielregeln einhalten. Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat an der denkwürdigen Pressekonferenz vom 16. März 2020  zu solidarischem Handeln aufgerufen: „Diese Krise braucht alle, jetzt braucht es einen Ruck, dann können wir sie bewältigen“. Wir leben in einem Land mit  sehr vielen Freiheiten, geniessen einen erfreulichen Wohlstand und stabile innere Sicherheit. Die COVID-19-Pandemie hat nun auch unser „petit paradis“ getroffen. Wir kennen die Mittel im Kampf gegen Corona, noch sind wir aber nicht am Ziel. Geben wir uns doch nochmals einen Ruck. Bundesrat Berset hat im Zusammenhang mit der Corona-Krise den Marathonlauf als Metapher verwendet. Finishers der 42,195 km wissen, ab Kilometer 35 tut’s richtig weh. Also keep on running!

 

 

 

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